Halbzeit-Rede / zu 50 50-jährige

(weil ich häufiger danach gefragt wurde, hier zum Nachlesen die Rede zur Ausstellungseröffnung).

Guten Abend!

 

Im Mittelpunkt des heutigen Abends stehen, ganz außer Frage, die 50 Portraitierten, die den Mut aufgebracht haben, Ihnen heute Abend, hier, von der Fassade der Hamburg Messe entgegenzublicken – und der Fotograf, Michael Korte, der zu jedem einzelnen von ihnen eine Nähe aufbauen konnte, die Sie heute beim Betrachten der Fotos wahrscheinlich empfinden werden.

 

Da dieses Projekt aber von Anfang an ein gemeinschaftliches und wahrscheinlich auch nur so in der Umsetzung möglich war – möchte ich Ihnen Joachim Kühmstedt vorstellen, Mitinitator der Ausstellung – und als Creative Director verantwortlich für die Konzeption und Umsetzung aller Kommunikationsmittel des Halbzeit-Projekts und – mich selbst: Maria Heinitz, ebenfalls Mitinitiatorin und damit dritte im Bunde.

 

Kurz ein paar Worte zu diesem Projekt:

 

Ich kann Ihnen sagen: Über zweisechzig mal zwei Meter nachzudenken, darüber zu sprechen, das ist eine Sache. Es ist etwas anderes davor zu stehen!

Jedes einzelne Bild, das wir in den letzten Tagen von Bläschenfolie befreit, mit Samthandschuhen angefasst, lange betrachtet und dann aufgehängt haben, hat uns umgehauen.

 

Es gibt kein Wort, das ausdrückt, wie aufgeregt wir sind, mit Ihnen heute Abend zum allerersten Mal diese Glasfront, hier an der Hamburg Messe entlang zu gehen und die Gesichter unseres Projekts ’50 50 Jährige’ zum allerersten Mal in dieser Größe, unverhüllt und in Reihe zu betrachten.

Sie werden es kaum glauben, aber wir haben auf Sie gewartet, um das mit Ihnen gemeinsam zu tun.

 

Wir fühlen uns heute ein bisschen wie Erfinder, die ihre, im Stillen ausgetüftelte Zaubermaschine zum ersten Mal starten, wie Regisseure, am Abend der Premiere.

Wir wissen nicht, wie Sie reagieren, was Sie empfinden werden, wenn Sie in die Augen, in die Gesichter dieser 50, sehr unterschiedlichen Menschen blicken, das Leben dieser 50 Persönlichkeiten in sichtbaren und unsichtbaren Spuren vielleicht zu lesen versuchen, irgendwelche Schlüsse zu ziehen versuchen. Wir wissen nicht, was Sie über diese Menschen denken werden, ob und was diese Begegnung in Ihnen bewirken wird. Aber auch das ist Teil unserer Idee, Teil des Projekts:

 

Als sich, vor gut einem Jahr, der Gedanke zu dieser Ausstellung begann seinen Weg zu bahnen, hatten wir keine Ahnung, dass daraus so schnell ein im Wortsinn großes Projekt entstehen würde. Wir dachten über das Älterwerden nach, das Alter, den Umgang der Gesellschaft, der Medien, der Werbung – und der Fotografie mit diesem Thema. Wir fragten uns, was wir sehen würden, wenn wir Gleichaltrige unter vergleichbaren Lichtbedingungen, unretuschiert, nebeneinander stellen würden. Was würden sie selbst sehen, von sich sagen? Schnell kamen wir auf die Babyboomer von 1964.

Sie werden in fünfzehn Jahren die Alterspyramide stürzen, sie stehen in der Mitte der Gesellschaft, wahrscheinlich in der Mitte ihres Lebens, sie haben vieles erlebt, vieles durchgemacht, – und noch vieles vor.

 

Ich kann nicht sagen, dass uns die 50-Jährigen zuliefen. Auch wenn die Begeisterung für unser Konzept groß war, es erforderte von jedem, der sich bereit erklärte mitzumachen, großen Mut:

Sich vor die Kamera zu stellen, ohne den Schutz eines Lächelns, eines Make-ups, eines vorteilhaften Lichts, später: sein eigenes, ungewohntes, Lebensspuren demonstrierendes Bild zu betrachten, es anzunehmen, darüber zu sprechen und es für die Öffentlichkeit frei zu geben. Einige waren auf Anhieb begeistert, andere überrascht, manche erschrocken oder schockiert. Es fand wie wir es erhofft hatten, eine Auseinandersetzung mit dem eigenen, ungewohnten Bild statt. In der Konsequenz gab es einige Portraitierte, die eine Präsentation in der Öffentlichkeit ablehnten. Sie haben unseren vollen Respekt.

 

Als wir schließlich vor den 50 fertigen Portraits standen, war klar, diese Bilder gehören nicht in eine geschlossene Galerie. Sie sollten zurück in die Öffentlichkeit, dorthin, wo man Menschen normalerweise begegnet. Wir sponnen ein bisschen herum: hätten die Gesichter am liebsten in der gesamten Stadt an 50 unterschiedlichen Werbeflächen, an Orten, an denen sonst 18/1 Plakate und Citylights hängen, präsentiert.

Und dann kam die Idee mit der Glasfassade der Messehallen, dem größten Schaufenster der Stadt, der längsten öffentlichen Outdoor-Galerie der City, an der tagtäglich die halbe Stadt vorübergeht und -fährt.

 

Wir hatten das große Glück, in Frau Dr. Ulla Kopp, der Geschäftsführerin der Hamburg Messe eine Fördererin zu finden, die mit ihrer großen Begeisterung für unser Projekt, viele weitere Menschen gewinnen konnte, die in den letzten Wochen und Monaten dazu beigetragen haben, unsere Idee hier und heute und in den folgenden 6 Monaten der ganzen Stadt – zu zeigen. Vielen Dank.

Vielen Dank auch den Sponsoren und all den vielen Helfern, die gerade in den letzten Tagen mit vollem Arbeitseinsatz zum Gelingen der Ausstellung beigetragen haben.

 

Wenn wir uns abschließend etwas wünschen dürften, dann, dass sich bei Ihnen, beim Betrachter dieser Bilder, etwas bewegt, dass Sie etwas empfinden, sich Fragen stellen, etwas ahnen, glauben, hoffen, befürchten, vielleicht träumen…

 

Wir wünschen Ihnen einen schönen Abend.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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