04.01.2015 Had Dra Der echte Souk

Had Dra. Der Ort liegt ungefähr dreißig Kilometer ins Landesinnere Richtung Marrakech. Es gibt dort sonntags einen Souk, auf dem die Bevölkerung im Umkreis von vielen Kilometern ihre Einkäufe macht. Einen großen Tiermarkt soll es geben, Gemüse, Obst, Holz, Metall, Fleisch, Stoffe, alles.

Maryem organisiert einen Taxifahrer, der uns für 300 Dihram inklusive Wartezeit hin und zurückbringt. Wir erschrecken, als er am großen Platz auf sich aufmerksam macht. Er, schwarzer Anzug, auf Hochglanz polierte Schuhe, sein Wagen nicht minder glänzend und aus der Entfernung, mit den dunklen Scheiben hinten, eher ein VIP-Transport als unser Taxi. Beim Näherkommen wirkt alles eine Nuance weniger aufregend. Trotzdem, wir wollten eigentlich nicht auffallen, bei unserer Ankunft auf dem Markt. Wir haben gehört, die Taschendiebe der Region träfen sich dort – besser als in einem solchen Auto kann man Opfer nicht servieren … Da heute aber das muslimische Neujahrsfest ist, hat der Souk geschlossen. Wir landen auf einem leeren Platz. Der Taxifahrer, ob er es gewusst hat oder nicht, fährt uns dienstbeflissen zwischen schmutzigen Mäuerchen hindurch, über einen staubigen Platz, an mit verdreckten Plastikplanen bedeckten Haufen vorbei, die mit großen Steinen beschwert worden sind, damit der Wind sie nicht davonträgt. Katzen schleichen umher. Wir kommen durch leergefegte Gassen, sehen zugenagelte Umschlagplätze von wasauchimmer, Halterungen, an denen sonst Kälber, Schafe und Kamele festgebunden zum Verkauf stehen. Streunende Hunde, die aus Pfützen trinken, Bretterbuden, Zeltgerippe, herumflatternde Plastiktüten. Hier und dort ein paar Männer, die etwas aufsammeln, einer, der einen Esel herumführt, eine verloren wirkende Herde Schafe. Mit ein wenig Fantasie bekommen wir den Souk zusammen.

Zum Trost schlägt der Taxifahrer vor, eine Arganölkooprative zu besuchen, sie liegt auf dem Weg nach Essaouira. Wir möchten aber nicht. Fragen bei unserer Ankunft, ob jetzt, da der Souk ja nicht stattgefunden hat und also die Wartezeit, die unseren Taxipreis ein wenig in die Höhe getrieben hatte, entfallen ist, der Gesamtpreis etwas günstiger würde. Der Fahrer antwortet nicht. Er lächelt nur. Öffnet uns die Türen, und lächelt.

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